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[lesenswertes denken] Bist du ein Träumer oder ein Macher?

8 Kommentare

Generation Y - Träumer oder Macher?

Träumer oder Macher?

Wir, die zwischen Ende der 70er bis Anfang der 90er Jahre Geborenen, werden zur Generation Y gezählt. Uns wird nachgesagt, wir seien zu anspruchsvoll, hätten übersteigerte Erwartungen und durch Facebookdarstellungsweisen ein verklärtes Bild der Realität. Wir hielten uns für etwas Besonderes, ohne etwas dafür getan zu haben. Uns wurde weis gemacht, die Besonderheit mit Löffeln gefressen zu haben, denn für unsere Eltern seien wir natürlich etwas ganz Besonderes. Und dafür müssten wir nichts tun. Für die Besonderheit in unserem Leben müssten wir wohl etwas tun. Es reiche nicht, einfach AWESOME zu sein.

Das Problem, dass sich dabei eigentlich ergebe, liege in den übersteigerten Erwartungen und dem falschen Bild von uns und unserer Umgebung, das uns den Weg zum Glück versperre. Die Formel für Glück scheint ganz einfach zu sein: „Wenn es besser kommt, als man erwartet hat, ist man glücklich. Wenn es schlechter kommt als erwartet, ist man unglücklich.“ Klingt erstmal logisch. Das Problem: Unsere Erwartungen seien dermaßen hoch, dass sie niemals erfüllt werden könnten. D.h. wir könnten nicht glücklich werden.

Aber was ist daran wirklich dran? Haben wir ein übersteigertes Selbstwertgefühl? Halten wir uns immer für besser als andere? Sind wir neidisch auf die Facebook-gestylten-Leben unserer „Freunde“?

Ich fühle mich nicht so, als hätte ich ein übersteigertes Selbstwertgefühl. Ich halte mich nicht für besser als andere – zumindest meistens. Es fällt mir schwer, zu dem zu stehen, was ich denke oder wie ich handele oder was ich möchte. Ich bin nicht absolut von mir selbst überzeugt. Ich lasse gerne die anderen vor. Ich nehme auf sie Rücksicht und stecke selbst zurück. Ich stehe nicht im Mittelpunkt. Das ist okay.

Und doch sind da die Träume. Ich wäre gerne etwas Besonderes. Ich würde gerne großen Erfolg haben. Ich möchte gerne gut sein, in dem, was ich mache. Und ich hätte gerne Anerkennung und Bestätigung von Außen. Da ist dieses Bild von mir auf den Brettern, die die Welt bedeuteten – von allen gefeiert. Aber mir fehlt der Antrieb, etwas dafür zu tun. Ich mache alles nur so halbherzig. Erfolg macht Arbeit. Arbeit macht keinen Spaß. Aber wir wollen doch vor allem Spaß haben? Immer und überall. Dank Smartphone und Candy Crush klappt das ja auch. Der kurze Spaß für zwischendurch verschleiert den Blick auf das Wesentliche: Glück in der Zukunft. Ein Glück, das die Basis für unser Leben bildet. Ein glücklicher Grundzustand. Basis-Glück sozusagen. Dieses Basis-Glück erhalten wir nicht durch WhatsApp-Smileys oder Catcontent.

Es gibt einen Unterschied zwischen dem Träumen vom Glück und dem tatsächlich aktiven Weg zum (Basis-)Glück. Beim Träumen spielt man nur seine eigene Version von Die fabelhafte Welt der Amélie im Kopfkino nach. Beim Machen ist man Bahia aus dem Film Der Name der Leute. Sie zeigt keine Angst, sie macht einfach und das aus Leidenschaft. Sie denkt nicht nur an sich, sie kämpft für andere – auch eine Art des Rücksichtnehmens. Und doch schießt sie auch mal übers Ziel hinaus und steigt nackt in der U-Bahn. Dass sich ganz tief in ihr drin doch einige Ängste tummeln, macht sie nur menschlich – aber sie schafft es, sie zu überwinden.

Dieses Thema geht einigen im Kopf rum: Auch Julia von Fashion Attitude hat sich in den letzten Tagen mit diesem Thema auseinander gesetzt. Sie sagt, man könne nicht alle Personen einer Altersgruppe über einen Kamm scheren und Generation Y nennen, man müsse die Menschen vielmehr nach ihren Interessen, Neigungen und Fähigkeiten „gruppieren“ – wenn überhaupt. Und Christian von Medium wirft die Frage nach der Henne und dem Ei in den Raum. Wer war zuerst da? Die Generation Y als reales Phänomen einer Gruppe oder das mediengeprägte Vorurteil über einen bestimmten Teiler einer Gruppe? Auch Sonja kommt zu dem Schluss, dass sich eigentlich nur wenigen Menschen unserer Generation der Schuh des Y anziehen lässt. Letztendlich fordern alle drei BloggerInnen, dass man wieder auf die Individuen schauen soll und nicht auf irgendeine Statistik. Eine schöne Zusammenfassung gibt auch vom DRadio Wissen.

Was seid ihr? Träumer oder Macher? Wie geht ihr mit oben formulierten Vorwürfen um?

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Autor: priselotta

24 Jahre, Studentin (Theater- und Medienwissenschaft und Philosophie), verrückt nach Theater, Filmen, Serien, Büchern,...

8 Kommentare zu “[lesenswertes denken] Bist du ein Träumer oder ein Macher?

  1. ich hab auch schon 2 artikel zu diesem thema geschrieben, weil es mich auch oft beschäftigt. den artikel, auf den du dich – glaube ich – oben beziehst, habe ich auch gelesen.

    ich finde auch, dass man differenzieren muss und nicht alle über einen kamm scheren kann. trotzdem habe ich den eindruck, eine tendenz zu erkennen – zumindest hier im städtischen raum und akademischen umfeld – dass viele leute sich schwer tun, sich festzulegen, entscheidungen zu treffen, sich an und mit irgendwas zu binden. „normal“ arbeiten zu gehen. alles muss immer spaß machen, glück ist die maxime. diese werte haben sich im vergleich zu früher verändert. glück > sicherheit. das ist zwar nicht grundsätzlich abzulehnen, aber mit vorsicht zu genießen…

    • Ja, da hast du Recht. Die Leute legen sich nicht gerne fest und das immer. Auch bei Verabredungen ist ja es so, dass man nicht hundertprozentig genau dann da sein muss, denn man kann mit dem Handy schnell noch eine andere Uhrzeit oder einen anderen Ort ausmachen. Man schaut halt mal… Ist mir zum Glück noch nicht so oft passiert, aber im Freundeskreis sind so ein paar, die „halt mal schauen“, was sich so ergibt… Das ist blöd.
      Vielleicht ist „Glück“ an sich auch nicht das höchste Ziel, sondern etwas anderes sollte das Ziel sein…

      • ja, ich kenne das auch gut. zum teil kenne ich auch solche leute, aber die problematik des sich-nicht-festlegens, die begegnet mir immer wieder. letztens war ich total schockiert, als ich von einer (single)freundin einige erlebnisse geschildert bekommen habe. anscheinend ist es – dank plattformen wie tinder – mittlerweile so, dass die menschen ein (vermeintliches) überangebot an potenziellen partnern haben und immer aus angst, hinter der nächsten ecke lauert jemand, der NOCH BESSER passt, alles abblocken und sich so ewig im prä-beziehungs-wartezimmer befinden.

        ist jetzt auch wieder nur eine facette davon, aber auch so eine art symptom dieser ganzen geschichte.

        glück ist wunderbar, aber glück ist immer nur eine momentaufnahme. ich glaube, wenn der mensch zum glücklichsein gemacht wäre, dann würden wir heute noch auf bäumen sitzen. das bedürfnis nach verbesserung wohnt in uns allen drinnen. ob das gut oder schlecht ist will ich nicht werten, es ist so. und durch die derzeitigen gegebenheiten und das dauerhafte angebot von allen dingen fehlt eine kompetenz, die der mensch noch nicht gelernt hat: entscheidungen im überfluss treffen.

      • Stimmt, bei den Partnerschaften sieht man es auch ganz extrem. Das führt dann auch zu solchen „offenen Beziehungen“ bzw. Friends with Benefits. Total doof. Da wird am Ende nur allen weh getan…

        Naja, ich denke schon, dass man so eine Art „Basis-Glück“ haben kann, z.B. mit der Familie und Freunden. Dann kommen dann idealerweise immer wieder kleine Glücksmomente dazu.
        Das mit den Entscheidungen im Überfluss treffen kenne ich: Ich teile mir mit Freundinnen einen Netflix-Account und da gibts schon einiges zu sehen und man kann sich einfach nicht entscheiden, was man denn jetzt anschauen möchte, denn man könnte ja auch etwas „besseres“ finden…. schwierig das ganze.

  2. ja, das sehe ich auch ziemlich oft. ich frage mich halt, warum das alleinsein in seiner ur-egoistischen form da so gehyped wird. alleinsein ist doch blöd. aber klar, in beziehungen muss man kompromisse eingehen und darauf haben offenbar viele keine lust mehr. man muss sich absprechen, auch mal rücksicht nehmen. das passt nicht ins leben. echt erschreckend, welche wege da gegangen werden.

    das stimmt sicherlich. wobei das für mich weniger mit „glück“, sondern mehr mit zufriedenheit zu umschreiben ist. glück ist irgendwie etwas, das mir von außen zustößt, glückliche zufälle, dinge, die ich selber so zwar vielleicht fördern und annehmen, aber nicht planen konnte. zufriedenheit ist eine art und weise, positiv mit dem umzugehen was man hat und freude am eigenen leben zu empfinden, auch wenn es makel und defizite hat. aber das ist nur meine persönliche sichtweise von dem ganzen, keine frage, dass man das auch anders sehen kann :)

    genau – so wie du das im kleinen mit netflix hast, hat das vermutlich fast jeder in irgendeinem bereich. ich mit schokolade, andere mit frauen/männern. einen derartigen überfluss gab es halt noch nie und die herausforderung unserer generation ist es vielleicht, trotz all dieser möglichkeiten (und wir sind ja die ersten, die diese wirklich haben), unseren weg zu finden. und zwar auf eine art, dass wir nicht permanent auf der suche sind, nach links oder rechts abbiegen, einen schritt vor und zwei zurück, sondern einen weg einschlagen, den wir auch weitergehen. ich habe das gefühl, momentan sitzen viele menschen auf der plattform 9 3/4 und warten immer noch auf den zug nach hogwarts…

  3. Pingback: Zeit für einen Neuanfang – Oder: Weshalb ich gehe. | liebeslieschen

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