liebeslieschen

[inszenieren] Die skeptische Herausforderung.

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In vielen Geschichten wird die Frage nach Realität und Wahnrehmung gestellt. In Inception verschwimmen die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit, in Matrix lässt sie sich vom Computer aus steuern und Alice im Wunderland legt das Augenmerk auf die Unendlichkeit der Fantasie. Sehnsüchte und Wünsche können im Traum realisiert werden. Tote können auferstehen. Menschen können fliegen. Ungeheure Monster können einem Angst und Schrecken einjagen. Aber wo sind die Grenzen? Die Möglichkeiten der Fantasie scheinen unbegrenzt und Träume können sich schon fast wie Realität „anfühlen“. Trotzdem scheint uns normalerweise immer bewusst zu sein, wenn wir wach sind. Wir können aktiv handeln. Die physikalischen Gesetze sind intakt. Alles scheint real. Und dennoch bleibt aus der Sicht eines philosophischen Skeptikers (begründeter) Zweifel daran, ob wir (echtes) Wissen über unsere Umwelt besitzen können, d.h. ob das, was wir als Realität erkennen zu glauben, tatsächlich Realität ist. Im Skeptizismus wird uns die Fähigkeit abgesprochen, einerseits durch Verstand und andererseits durch Erfahrung und Wahrnehmung, wahrhaftige Erkenntnis über die Welt zu erlangen. D.h. alles, was wir sehen und alles, was wir denken, könnte nicht wahr sein. Es könnte uns nur „vorgegaukelt“ oder von einem Computer eingespeißt worden sein. Eine ziemlich verrückte Vorstellung, findet ihr nicht auch? (Wer das vertiefen möchte, dem empfehle ich Einführung in die Erkenntnistheorie. Link.)

Auch in Mike LaMarrs Krimikomödie Die Leiche in der Badewanne werden mehrere Realitätsebenen geöffnet, die fortwährend ineinander übergreifen.  Daraus ergeben sich für den aufmerksamen Zuschauer viele (philosophische) Fragen. Was nehme ich wahr? Was ist meine Realität? Was beeinflusst sie? Gibt es nur meine Realität? Gibt es überhaupt eine Realität? Oder sind es immer mehrere? Und wo ist das weiße Kaninchen?

Theater ist ja schonmal per se beides: Realität und Fiktion. Realität in dem Sinne, dass sich zur gleichen Zeit am gleichen Ort Zuschauende und Agierende befinden. Fiktion ist die Geschichte und die Figuren, die sich darstellen und die wahrgenommen werden können. Aber da hört der skeptische Gedanke ja nicht auf. Er fängt gerade an: Vielleicht ist der Umstand der Gleichzeitigkeit der Zuschauenden und Agierenden auch Fiktion? Auch manipuliert? Wer nimmt was wie wahr? Wo ist der Ursprung von allem Seiendem und sich Darstellendem?

In LaMarrs Stück gibt es zunächst mal drei Ebenen der Realilät: die des Publikum, die der Möbelmänner, welche die Bühne einrichten, und die der WG-Bewohner. Ich möchte in meiner Inszenierung noch mehr Ebenen der Realität öffnen, mit ihnen spielen, sie verschwimmen lassen. Im Moment schwebt mir noch eine filmische Realitätsebene vor, die sich zwischen dem Publikum und den Möbelmännern einordnet. Außerdem noch eine mit Marionetten bespickte Ebene unterhalb der WG-Bewohner. Mal sehen, vielleicht fallen mir noch mehr ein. Im Stück selbst kommt die erkenntnistheoretische Note leider nicht so gut raus, deshalb will ich sie im Laufe des Probenprozesses deutlicher herausarbeiten neue Aspekte hinzufügen. Mein Ziel ist es, auch denjenigen Zuschauern den Weg zum skeptischen Denken über die eigene Wahrnehmung zu eröffnen, die sonst nicht mit Philosophie in Berührung kommen. Ich möchte die Zuschauer an den Stellen kitzeln, von denen sie gar nicht wussten, dass sie dort kitzelig sind. Und vor allem: Was können die Zuschauer sich für ihren Alltag mitnehmen?

Macht ihr euch Gedanken über die Realität? Im Alltag scheint fortwährender Skeptizismus unpraktisch, wenn nicht sogar gefährlich zu sein (z.B. im Straßenverkehr, da muss man das glauben, was man sieht, sonst wird man umgefahren), aber ein Hinterfragen und des alltäglichen sollte allemal drin sein. Oder?

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Autor: priselotta

24 Jahre, Studentin (Theater- und Medienwissenschaft und Philosophie), verrückt nach Theater, Filmen, Serien, Büchern,...

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