liebeslieschen

{uni 9} Tartuffe und Konsorten.

3 Kommentare

Im Foyer des Erlanger Markgrafentheaters steht ein Mann mit rosafarbenem Hut, an dem künstlicher blonde Haare angeklebt sind. Er trägt einen langen Mantel, wie im Barock, weißes flatterndes Hemd, dunkel rosafarbene Hose und braune Stiefel. Alles nur Kostüm? Ich beachte ihn nicht weiter, denn heute geht’s in Molières Tartuffe (Regie: Dominik von Gunten).

Das Licht geht aus, aber der Vorhang hebt sich nicht. Stattdessen wird das Geschehen auf der Bühne über zwei große Flachbildfernseher, die im ersten Rang ganz vorne zum Publikum gewandt stehen, übertragen. Darüber sieht man wie vier oder fünf Leute und ein Hund einen Bühnenraum betreten. Die Kameraführung ist unruhig, verwackelt. Sie streiten sich. Tartuffe soll weg, doch das wird die Großmutter – bei der ich es erst ganz am Ende verstanden habe, dass sie die Großmutter ist – nicht zulassen. Die Übertragung über den Fernseher geht aus, der Vorhang hebt sich und man findet eben diesen Raum vor, den man eben noch über den Fernseher gesehen hat. Ich will hier nicht allzu ausschweifen, aber ich will nur sagen, dass der Fernseher im Laufe des Stückes immer wieder eine Rolle spielt. Schauspieler rennen aus dem Saal, treffen sich in der Zuschauertoilette oder stürmen ein Büro. Das alles wird dem Zuschauer im Saal übertragen.

Davon abgesehen spielt sich das Hauptgeschehen natürlich auf der Bühne ab, die zwar ein anständiges Bühnenbild hat, aber es gibt zur Seite keine Wände. Man kann auf die Neben- und später auf die Hinterbühne blicken. Scheinwerfer, Stative, Leitern, alles ist zu sehen. Das wird natürlich ausgenutzt, sodass in manchen Szenen Schauspieler am Rande des Geschehens sitzen – nicht in der Figur, sondern einfach als wartender Schauspieler. Sie warten auf ihren Auftritt.

Wenn sie aber dann endlich auf die Bühne gehen geht’s laut, stürmisch, witzig, absurd, kindisch und sexy zu.

Die Story ist einfach: Vater will Tochter mit Mann 1 verheiraten. Tochter will aber einen anderen Mann 2 heiraten. Vater bleibt stur. Mann 1 ist ein Vollidiot. Mann 2 ist der Held des Tages, führt Mann 1 hinters Licht und rettet Vater vor der bösen Hand von Mann 1. Mann 2 kriegt Tochter. (Es stellt sich heraus, dass Mann 1 der verkleidete Schauspieler aus dem Foyer ist und für einen guten Zweck Geld gesammelt hat.)

Die Moral von der Geschicht‘: Alles zählt, vergiss die Liebe nicht.

Warum es sich trotzdem lohnt? Interessantes Bühnenbild (die hintere Wand fährt am Ende bis fast an den Bühnenrand), lustige Situationen (Vater liegt unterm Teppich) und Heldentaten (Mann 2 rettet die ganze Familie vor Mann 1). Ein amüsanter Abend.

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Autor: priselotta

24 Jahre, Studentin (Theater- und Medienwissenschaft und Philosophie), verrückt nach Theater, Filmen, Serien, Büchern,...

3 Kommentare zu “{uni 9} Tartuffe und Konsorten.

  1. hört sich nach einem amüsanten und mal etwas anderen abend an. und dann auch noch ein happy end… ;)

  2. oh das ist eine tolle reihe. ich geh gern ins theater und so weiß man gleich, ob es sich lohnt. ;)

    • Danke. Am liebsten würde ich durch ganz Deutschland und darüber hinaus touren, um von unzähligen Theateraufführungen zu berichten. Leider geht das nicht, aber nach und nach werde ich ein paar Theater kennenlernen. ;-) Ich studiere ja auch u.a. Theaterwissenschaft, deshalb passt das ganz gut. ;-)

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